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Liebe Cyphenia, den Beitrag von Doris Krieger finde ich sehr gut. Am aller wichtigsten (Nach meiner eigenen Erfahrung!) ist es für Deine Mutter, sich mit denen zu unterhalten, die in der gleichen Situation sind! Sie können verstehen was sie sagt und damit meint. Entschuldige bitte, das ist kein Angriff gegen Dich, was Du leistest ist toll. Ich vergleiche es immer damit: „Versuche einem Mann zu erklären, wie es ist ein Kind auf die Welt zu bringen.“. Bevor ich es vergesse, hier gleich zu Beginn. Therapeuten Wie Doris hier schreibt: „ich hoffe, deine Mutter hat einen guten Therapeuten“, hoffe ich auch sehr für sie, einen der die Krankheit gut kennt. Gehst Du als Tochter zu diesem, darf er Dir nicht mal sagen, dass sie (Deine Mutter) seine Patientin ist. Wenn die Seele am Boden ist, bewertet man alles über und Hilfe manchmal fast als Angriff. Diese Missstimmungen, Depressionen, reaktive Depressionen oder wie man es auch immer nennen mag, lassen einen nicht mehr klar denken, weil man fast kein Licht mehr sieht am Horizont. Hätte ich damals mitbekommen, dass jemand hinter meinem Rücken zu meinem Therapeuten geht, hätte ich wohl nichts Gutes darin gesehen. Da Deine Mutter im Moment in der absoluten Rückzugs- und Einigelungsphase steckt (so lese ich es heraus), könnte so eine Aktion nach hinten los gehen, ob wohl sie von Dir eine tolle Sache ist, um besser helfen zu können. Mein Vorschlag währe: (Bitte verstehe es nicht falsch, ich schildere es nur so, wie ich es für mich, in meiner vergangenen Situation empfunden hätte.) Frage Deine Mutter, ob Du mal mit ihr zusammen zum Therapeuten gehen „–darfst!-„. „Mutti ich möchte Dich nicht einengen oder überfordern, ich möchte mehr wissen und verstehen, um richtig und hilfreich zu handeln.“ Fordere nicht sofort eine Antwort, lass ihr bitte Zeit darüber nachzudenken. Wenn Du dann „grünes Licht“ bekommst, wird es für euch beide ein Gewinn! Doris schreibt: „Zudem hast Du Recht, wenn Du sie zur Bewegung animieren willst. Vielleicht kannst Du sie ja mit irgend etwas \\\"locken\\\" wie z.B. Warmwassergymnastik. Das tut den Gelenken und der überspannten Muskulatur in den meisten Fällen sehr, sehr gut.“ Spitzen Vorschlag Doris! Aus dem Grund weil es wirklich gut tut. Man kann sich mehr Bewegen und hat dabei weniger Schmerzen (Wenn das Wasser warm genug ist!). Psychologisch gesehen, hat dieser Vorschlag noch viel mehr Wert! Deine Mutter möchte nicht raus. Wollte ich auch nicht mehr, ob wohl mir alle sooo gut zugeredet haben und Rücksicht genommen haben. Nun fragt sich jeder „Außenstehende“, mein Gott, was soll man denn bloß noch machen? Ich selbst habe mich nur noch als Last für die anderen empfunden. Ich konnte nicht schnell gehen, nicht weit, war sofort erschöpft und nicht gut drauf. Habe einfach nur gedacht, wenn ich mitkomme „versaue“ ich den anderen den Tag. Konnte mich ja nur in der Zeitlupe von der Zeitlupe bewegen und das wollt ich keinem zumuten. Sie laufen alle automatisch schneller, ist ja auch normal. So versucht man auch schneller, kommt nicht annähernd an das Tempo der anderen, ist noch schneller erschöpft und deprimiert über den eigenen Zustand. Der Ausflug war von allen gut gemeint, für sich selbst zieht man das Resümee „Das tust du dir nicht noch mal an!“. Es bleibt ein negatives Erlebnis. Deshalb ist das Wasserbad genial! Kein Leistungsdruck, keine Erwartungshaltung, alles kann – nichts muss. Sie war mal raus und keiner „musste“ dabei Rücksicht auf sie nehmen. Ich hoffe sehr, dass Deine Mutter ein Medikament hat, welches ihr über einige Stunden Schmerzlinderung ermöglicht. Das sage ich aus dem Grund, weil ich keine Termine einhalten konnte. Nicht mal die nächste Stunde war planbar. Bin nie weiter als 100 Meter von meinem Haus weggegangen, weil ich nicht wusste ob ich es zurück schaffe. Man geht los und alles ist in Ordnung, 10 Minuten später sitzt du auf der Wiese und heulst, vor Schmerzen und vor Wut, weil du nicht mehr weiterkommst. In diesem Moment weist du, dass Du aufstehen musst, wieder nach Hause musst aber du kannst nicht, du könntest schreien vor Wut! Dieses Wort „Du Musst!!!“ habe ich sooooo hassen gelernt. Man weiß es doch selbst. Doch wenn man nicht mehr kann was man möchte, geschweige denn das, was man muss, könnte man nur noch mit dem Kopf gegen die Wand schlagen. Es ist gut, dass Du hier her gefunden hast! Man findet so schwer Hilfe. Ich habe mich damals an die Schmerzliga eV gewand und fand dadurch einen Prof. der Anästhesie / Schmerztherapie mit TCM Ausbildung. Davon gibt es in Deutschland etwa nur 1000 Ärzte. Bei ihm fühlte ich mich das erste Mal für voll genommen. Er stellte mich auf ein Fentanyl-Pflaster (Fentanyl ist ein synthetisches Opioid, das als potentes Schmerzmittel in der Anästhesie (bei Narkosen) sowie als transdermales therapeutisches System zur ...) ein. Ich hatte endlich wieder Schmerzfreie Zeiten. Ich hätte ihm den Hintern küssen können. Nun zu dem Pflaster habe ich hier für und wieder gelesen, das muss jeder für sich entscheiden. Für mich galt damals (hätte ich mich entscheiden müssen), lieber noch ein Jahr mit Fentanyl, als fünf Jahre ohne. Ich war am Ende, ich konnte und wollte nicht mehr. Versuch es mit dem Vorschlag von Doris (Wasserbad). Sag doch einfach, du möchtest dort hin und nicht alleine gehen, ob sie dich nicht begleiten möchte. So ist sie nicht wieder in der „du musst Situation“, vielleicht kannst Du ihr so vermitteln, dass du nicht möchtest, dass sie was für sich tut, sondern das sie was für Dich macht. Einen Versuch ist es wert. Ich drücke Dir alle Daumen der Welt, dass Du das hin bekommst. Liebe Cyphenia, Ich habe einen Freund, dem hat man (ohne dass auch nur einer ein Vorahnung hatte) von heut auf morgen gesagt: Tumor im Gehirn. Fünf Tage später OP - neun Stunden. In den OP ist er als Ehemann, Vater von zwei Kindern (Haus und Garten) und Firmenchef gegangen. Als er aufwachte aus der OP konnte er nichts mehr sehen, nicht mehr sprechen und sich nicht mehr bewegen. Er konnte sich keinem mehr mitteilen. Wie dies für ihn und seine Familie war, brauch ich hier wohl nicht schildern. Ich war abwechseln bei ihm im Krankenhaus und zu Hause bei seiner Frau. Genau da war der Knackpunkt. Alle sagten, armer Mann, stell ich auch nicht in Frage. Doch das die Angehörigen und seine Frau auch zusammengebrochen sind, nahm keiner „der so genannten Freunde?“ wahr. Ja man sprach es ihnen fast ab, da sie ja nicht wirklich selbst einen „Schaden“ erlitten hätten. Da hast du keine Worte mehr. Ich schrieb ihm (meinem Freund) das Alphabet im PC auf ein A 4 Blatt, so groß und fett es nur irgend ging. Durch seine Motorik konnte er nie auf einen Buchstaben zeigen, er kreiste immer über vier Stück. So wiederholte ich diese vier möglichen und beim richtigen nickte er. So schrieb ich Buchstabe für Buchstabe auf, bis wir ein Wort, einen Satz hatten. Es war für ihn die einzige Möglichkeit sich zu äußern. Es war sehr, sehr anstrengend für ihn. Du glaubst gar nicht, wie oft er vor Wut den Stift durch das Krankenzimmer geschmissen hat und bitterlich angefangen hat zu weinen. Ich wischte ihm die Tränen ab, hob den Stift auf, legte diesen wieder in seine Hand, hielt ihm das Alphabet vor die Augen. So weiter geht es, ich möchte wissen, was du sagen willst. Von Woche zu Woche verkleinerte ich die Buchstaben. Als wir dann von A 4 auf Postkartengröße waren, fragte ich ihn, ob er noch weiß, wie groß das Blatt mal war!? Ich Zeigte ihm das A 4 Blatt. Nun fing er an zu weinen. Er selbst hatte es nicht gemerkt und ich selbst tat einen Teufel daran, ihn vorher darauf aufmerksam zu machen, da die Erfolge bis da hin so lange gedauert hatten. Nun wurde er mit dem Unterschied konfrontiert und den Unterschied von A 4 zur Postkartengröße, konnte auch er als Erfolg nicht verdrängen. Nun ging es ans Schreiben (Schreiben wieder lernen). Da ich selbst Schmerzen hatte, sagte ich zu ihm: „Ich kann hier nicht immer wie ein Angelharken auf deinem Bett knien, dann liege ich bald neben dir, lass es uns am Tisch versuchen.“. Zusammen mit den Schwestern, holten wir ihn aus dem Bett (natürlich war da erst mal auch Gegenwehr) und setzten ihn an den Tisch. Seiner Frau sagte ich nicht, was wir da über Wochen übten! Bis er so weit war. Er schrieb auf einen Zettel für seine Frau „Ich liebe Dich!“. Diesen Zettel nahm ich mit, fuhr zu seiner Frau nach Hause und legte ihr diesen auf den Küchentisch. Sie war so glücklich, sie hat vor Freude geweint. Schritt für Schritt und Stück für Stück! Du wirst dich fragen warum schreibe ich dies über meinen Freund. Zum einen, weil ich beide Seiten kenne, das Du nicht denkst ich schreibe hier nur aus der Opferrolle. Zum anderen, das alle erkennen, mancher Weg ist lang - doch nie vergebens. Kraft schöpfen wir aus den „lieben“ Menschen die uns umgeben. Liebe Cyphenia, hätte ich auch nur ansatzweise, so einen lieben und sorgenden Menschen wie Dich in meiner Nähe gehabt, währe es mir schneller, besser gegangen! Seit einem Jahr, habe ich eine neue Liebe, einen phantastischen lieben und emphatischen Mann an meiner Seite. Geht es mir schlecht, ist er da und tut mir gut. Was hatte ich anfangs Angst ihm zu sagen, das ich krank bin. Mein Vater sagte: „Mein Kind, leg die Karten sofort auf den Tisch, sonst tust du dir doppelt weh und ihm auch!“. Dieser Mann hat sich in alle Richtungen über das Krankheitsbild erkundigt, wissend – was ihn erwartet, bat er mich in sein Leben zu kommen. Ich habe angenommen, bin zu ihm gekommen. Selbst an schlechten Tagen, geht es mir gut, weil er da ist und mich hält. Gut das Deine Mutter Dich als Halt hat. Doch „Achtung“ liebe Cyphenia, achte auch auf dich selbst, mach dich nicht kaputt. Letzt endlich ist jeder für sich selbst verantwortlich! Du kannst Hilfe anbieten, die Hand öffnen zum Geben – doch die Hilfe annehmen, kann nur deine Mutter selbst. Sei ganz lieb gegrüßt von Ria
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