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Fibromyalgie: Das Fibromyalgie-Syndrom
Enviado el Sabado, 09.Junio 2007 por DFS

Fibromyalgie

Was ist Fibromyalgie?

Fibromyalgie, auch Fibromyalgie-Syndrom genannt, ist eine chronische Schmerzerkrankung, die nicht zum rheumatischen Formenkreis gehört und nicht mit dem Begriff  „Weichteilrheumatismus“ gleichgesetzt werden darf (Prof. Dr. med. Hartwig Mathies, 1997). Fibromyalgie-Patienten können im weitesten Sinn Stress nicht richtig verarbeiten und reagieren darauf mit einer gestörten Schmerzwahrnehmung. Prof. Dr. Gunther Neeck bezeichnet die Fibromyalgie als „stressinduzierte Erkrankung des schmerzverarbeitenden Systems“. Nach neuesten Erkenntnissen handelt es sich bei Fibromyalgie um eine Störung bei der Verarbeitung von Schmerzen, deren Ursache im Zentralnervensystem zu suchen ist und nicht im Muskel selbst.

„Eine reduzierte Schmerzschwelle auf zentralnervöser Ebene scheint die primäre Ursache einer ganzen Kaskade weiterer Störungen zu sein sowohl mit verschiedenen autonomen Dysfunktionen, psychischen Veränderungen als auch einer schmerzhaften nicht entspannten Muskulatur mit ultrastrukturell nachweisbaren Veränderungen.“ (Prof. Dr. Gunther Neeck, „Das Fibromyalgie-Syndrom“, 2007)

 

Wie äußert sich Fibromyalgie?

Das Hauptsymptom der Fibromyalgie ist der Schmerz, der als chronisch generalisierter Ganzkörperschmerz vorwiegend in den Muskeln, den Muskelansätzen (Sehnen) und in den Knochen empfunden wird. Neben den Schmerzen kann noch eine Vielzahl vegetativer und funktioneller Störungen auftreten, die zusätzlich den Alltag belasten und die Lebensqualität stark einschränken. Leitsymptome sind hier Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, rasch eintretende Erschöpfungszustände, Überempfindlichkeit gegenüber äußeren Reizen wie hoher Lautstärke, grellem Licht sowie Kälte, Nässe oder Hitze.

Fibromyalgie-Patienten sind Dauerschmerzpatienten. Die dadurch oftmals entstehenden starken privaten wie beruflichen Einschränkungen führen nicht selten zu Mutlosigkeit und Depressionen und enden somit oftmals in sozialer Isolation. Durch viele Studien konnte allerdings weltweit nachgewiesen werden, dass Fibromyalgie zu keiner Untergruppe der depressiven Störungen gehört.

 

Wie viele Menschen leiden an Fibromyalgie?

Weltweit wird in Studien die Zahl der Fibromyalgie-Patienten unterschiedlich angegeben. Die wahrscheinlichste Prävalenz beträgt bei Frauen 3,4 % und bei Männern 0,5 % (Prof. Dr. Gunther Neeck, „Das Fibromyalgie-Syndrom“, 2007), für Deutschland wird eine Zahl von etwa 2 Millionen Fibromyalgie-Patienten angenommen. Eine genetische Veranlagung wird diskutiert, in zurzeit noch experimentell verfolgten Therapieansätzen wird ein möglicherweise hormonell bedingter Hintergrund erforscht.

 

Wie wird Fibromyalgie diagnostiziert?

Das Leitsymptom der Fibromyalgie ist der Schmerz. Durch die Entwicklung von geeigneten Geräten zur Objektivierung und Messung des Schmerzes kann mittlerweile eindrücklich gezeigt werden, „dass ein permanentes Bombardement des Cortex mit Schmerzreizen die Fibromyalgie-Patienten quält. [...] Es scheint vorstellbar, dass es bei Chronifizierung zu plastischen Veränderungen mit bleibenden Schäden im Zentralnervensystem und in der Muskulatur kommt“; allerdings gibt es „bis heute kein bildgebendes Verfahren, welches angewandt in der klinischen Routine eine diagnostische Bedeutung für die Fibromyalgie hätte“. (Prof. Dr. Gunther Neeck, „Das Fibromyalgie-Syndrom“, 2007)

Die 1990 vom ACR (American College of Rheumatology) festgelegten Klassifikationskriterien, zu denen u.a. auch die „Tender Points“ (Schmerzdruckpunkte) gehören, sind ein erster Anhaltspunkt für den Arzt, Fibromyalgie festzustellen. Die Erkrankung  wird dann durch Ausschlussdiagnostik gesichert, d.h., es müssen zunächst Krankheiten, die ähnliche oder gleiche Symptome hervorrufen wie Fibromyalgie, sicher ausgeschlossen werden. Die Laborbefunde bei Fibromyalgie sind unauffällig und liegen im Normbereich, es ergeben sich z.B. keine Hinweise auf Entzündungen, auch ein Rheumafaktor kann nicht nachgewiesen werden. Das alles erschwert die Diagnose, die deswegen nur von einem erfahrenen Facharzt (z.B. Rheumatologe, Orthopäde, Neurologe) gestellt werden sollte.

 

Wie behandelt man Fibromyalgie?

Trotz einer immer intensiveren Aufklärung und Information über das Krankheitsbild, z. B. auch durch die Arbeit der Selbsthilfegruppen, dauert es in der Regel mehrere Jahre, bis die Fibromyalgie erkannt wird und daraufhin gezielt behandelt werden kann. Viele Ärzte kennen diese chronische Schmerzkrankheit noch immer nicht, was leider häufig zu überflüssigen Untersuchungen, falschen Diagnosen und dadurch bedingt zu ungeeigneten Therapien führt. Daraus wiederum resultieren in vielen Fällen Arbeitsunfähigkeit und eine oftmals zu frühe Berentung der Fibromyalgie-Patienten mit entsprechenden schwerwiegenden psycho-sozialen Folgen. „Die Kosten werden deshalb aufgrund der Chronizität des Leidens, der unbefriedigenden Ergebnisse hinsichtlich der Therapie und daraus resultierend entsprechend häufigen Inanspruchnahme des Gesundheitssystems für Fibromyalgie-Patienten als hoch vermutet.“ (Prof. Dr. Gunther Neeck, „Das Fibromyalgie-Syndrom“, 2007)

Eine individuelle, gezielte Behandlung der Fibromyalgie sollte nie einseitig erfolgen. Sie beruht auf drei Säulen und setzt sich in der Regel zusammen aus physikalischer Therapie, medikamentöser Therapie sowie einer Psychotherapie, bei der z.B. kognitive Schmerzbewältigungsstrategien erlernt werden. Alternative Heilmethoden können ebenfalls geeignet sein, das Beschwerdebild zu bessern. Eine Heilung der Erkrankung ist nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht möglich, eine Linderung der Beschwerden kann aber durchaus erreicht werden.


Wie lebe ich mit Fibromyalgie?

Zunächst einmal ist es sehr wichtig, dass ich als Fibromyalgie-Patient eine gesicherte Diagnose von einem Facharzt bekommen habe und mich danach sehr genau und umfassend über meine Erkrankung informiere. Das hilft mir, meine individuelle und damit für mich richtige Therapieform zu finden.

Ich werde zum Experten in eigener Sache.

 
Eine große Rolle beim Umgang mit der Erkrankung spielt die Stressvermeidung: Stress macht mich krank, weil ihn mein Körper nicht richtig verarbeiten kann (mangelnde Stressverarbeitung betrifft ca. 16 % der Bevölkerung), daher meide ich ihn konsequent dort, wo es geht.

Ich darf „Nein“ sagen zu Situationen, die mich überfordern.

 
Ich leide unter Erschöpfungszuständen und habe oft wenig Kraft, daher muss ich lernen, diese gezielter einzusetzen: Ich stelle mir vor, dass ein gesunder Mensch morgens ein volles Glas „Kraft“ hat, mit dem er den ganzen Tag lang auskommen muss. Mein Glas als Fibromyalgie-Betroffener ist morgens nur halb voll, sodass ich mir sehr sorgfältig überlegen sollte, wie ich es einteile, damit ich mit diesem halben Glas den ganzen Tag über auskommen kann.

Ich darf „Nein“ sagen zu Situationen, die mir nicht gut tun.

 
Für meine Gesundheit, meinen Körper und meine Seele habe ich weitgehend eine Eigenverantwortung, die ich (selbst)bewusst übernehme. Neben allen anderen Therapien gehört im Rahmen meiner individuellen Möglichkeiten auf jeden Fall auch eine (reha-)sportliche Betätigung, die meine Beschwerden lindert.

Ich lerne: Fibromyalgie braucht Bewegung!

 
Zur weiteren Krankheitsbewältigung kann mir die Mitarbeit in einer Selbsthilfegruppe helfen, die mir sowohl einen Schutzraum bietet als auch einen Freiraum darstellt, in dem ich mich mit gleich Betroffenen austauschen und gleiche Ziele verfolgen kann, um meine berechtigten Interessen zu vertreten. Hier lerne ich, mein Selbstbewusstsein zu stärken und meine Alltagskompetenzen zu verbessern und kann anderen wiederum mit meinen Erfahrungen Unterstützung und Kraft geben.

Ich stelle mich der Diagnose Fibromyalgie und gehe aktiv mit meiner chronischen Erkrankung um.


© 2007 Deutsche Fibromyalgie Selbsthilfe (DFS) e.V.
Renate Augstein


Das Fibromyalgie-Syndrom

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